Klaus Rohwer 

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Diatonische Mundharmonikas

Abb. 4: Diatonische Mundharmonika in C-DurDiatonische Mundharmonika

Die meistverwendenten Mundharmonikas sind diatonische (Abbildung 4 zeigt ein Beispiel). Sie werden vor allem im Blues, aber auch in der Volksmusik, im Rock, im Pop, in der Country-Musik und sogar im Jazz eingesetzt. Es gibt sogar Musiker, die diatonische Mundharmonikas für klassische Musik einsetzen, indem sie eine besondere Spieltechnik (Overbending) anwenden, die es ihnen erlaubt, alle chromatischen Töne zu erzeugen; dies ist aber die Ausnahme.

Diatonische Mundharmonikas enthalten von ihrer Bauart her nur die Töne einer bestimmten Tonart, zum Beispiel C-Dur. Dafür ist meist irgendwo ein entsprechender Buchstabe -- hier wäre es ein C -- in den Deckel eingeprägt oder auf den Kanzellenkörper aufgedruckt. Grundsätzlich sind diatonische Mundharmonikas dafür gebaut, nur in einer Tonart gespielt zu werden, wenn man einmal davon absieht, dass man natürlich auch die zugehörige Molltonart darauf spielen kann -- bei C-Dur wäre das A-Moll. Für Volksmusik und Wanderlieder reicht eine Tonart meist auch aus.

Dennoch kann man auf diatonischen Mundharmonikas auch mehr oder weniger die Tonart modulieren. Dafür gibt es zwei grundverschiedene Ansätze:

Bei dem einen Ansatz werden einfach zwei oder mehr Mundharmonikas zu einer verbunden. Dadurch entstehen sogenannte Wender-Mundharmonikas. Einfache Wender enthalten nur zwei Tonarten (z. B. C-Dur und G-Dur) und sind meist in einem Gehäuse vereinigt, in das man auf zwei gegenüberliegenden Seiten hineinblasen kann (Abb. 5). Es gibt jedoch auch Kreuz- oder Radwender, die dann mehr wie das Rad einer Wassermühle oder eines Raddampfers aussehen, bei denen vier oder sechs oder noch mehr Mundharmonikas in einem Gestell zusammengebaut sind (Abb. 6). Um die Tonart zu ändern, muss man dann natürlich von einer Mundharmonika zur anderen wechseln. Wender gehören übrigens in allen mir bekannten Fällen zu den sogenannten doppeltönigen Instrumenten.

Abb. 5: Wender-MundharmonikaWender-Mundharmonika
Abb. 6: Kreuz- bzw. Radwender-MundharmonikasKreuzwender-Mundharmonikas

Den zweiten Ansatz zur Tonartmudulation haben findige Mundharmonikaspieler um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in den USA entdeckt: durch geschickte Formung des Mund-Rachen-Raumes während des Spielens lassen sich -- vereinfacht gesagt -- die Stimmzungen dazu bringen, auf einer anderen Frequenz zu schwingen, als die, für die sie gebaut sind. Von dieser Technik gibt es wiederum zwei Varianten: die einfachere ist das sogenannten Bending, das Herunterbiegen der Töne, was besonders im Blues ausgiebig angewandt wird. Mit Bending kann man normalerweise nur einen Teil der Töne in ihrer Tonhöhe beeinflussen, es gibt jedoch auch Sonderstimmungen und neuerdings sogar ein spezielles Modell (siehe unten), bei dem dies bei allen Tönen möglich ist. (Wen es interessiert, wie Bending physikalisch funktioniert, der findet darüber etwas in meiner "Kleinen Mundharmonikaphysik".)

Die kompliziertere und auch später entdeckte Variante ist das sogenannte Overbending (oder Overblowing, was aber mit dem Überblasen bei anderen Blasinstrumenten nur den Namen gemeinsam hat), mit dem man Töne nach oben biegen kann. Auf diese Weise kann man dann -- zusammen mit dem Bending -- alle chromatischen Töne erreichen. Der Hauptexponent dieser Methode ist der Amerikaner Howard Levy [2], aber es gibt mittlerweile international eine Reihe von Mundharmonikaspielern, die diese Technik perfekt beherrschen.

Inzwischen sind auch spezielle Mundharmonika-Typen auf dem Markt, die das chromatische Spiel auf diatonischen Instrumenten unterstützen: von der japanischen Firma Suzuki [4] wurde das Modell "Overdrive" entwickelt (Abb. 7), das das Spielen von Overbending-Tönen erleichtert, indem es erlaubt, bestimme Luftaustrittskanäle auf der Rückseite mit den Fingern zu verschließen. Ein Meister auf diesem Instrument war Igor Flach (* 12. März 1966 in Jena; † 8. März 2008 in Berlin)[3] .

Abb. 7: Suzuki-Overblow-Mundharmonika "Overdrive"Suzuki Overdrive

Von 2003 bis 2012 gab es von Hohner [5] das Modell XB-40 (XB steht dabei für extreme bending, 40 für die Anzahl der Stimmzungen, Abb. 8). Es ist von der Tonanordnung her eine normale diatonische Mundharmonika in Richter-Stimmung, enthält jedoch ein System von Ventilen und Hilfsstimmzungen, die ein Bending jedes einzelnen Tones und dadurch vollchromatisches Spielen ermöglichen. Wegen der zusätzlichen Stimmzungen wird mehr Bauraum benötigt als bei einer gewöhnlichen diatonischen Mundharmonika, so dass das Instrument dicker ist. Daher ist das Spielgefühl eher das einer chromatischen Mundharmonika, und auch der Klang der "ungebendeten" Töne entspricht eher dem einer chromatischen. Dagegen ermöglicht das Bending (im Prinzip) aber den gleitenden Übergang zwischen Tönen (Glissando), was ansonsten in diesem Ausmaß nur mit der -- schwierigeren -- Overbending-Technik (siehe oben) zu erzielen ist. Dieses Instrument hat sich allerdings nicht durchsetzen können, so dass die Produktion 2012 eingestellt wurde. Daran hatte offenbar auch das 2007 erschienene Lehrbuch von Chris Kramer [21] nichts ändern können.

Abb. 8: Hohner-extreme-bending-Mundharmonika XB-40Hohner XB-40

Weiter zum Thema Einfachtönige und doppeltönige Instrumente

Weitere Themen:
Richter-Mundharmonikas
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Sonderstimmungen diatonischer Mundharmonikas
Chromatische Mundharmonikas
Sonderstimmungen chromatischer Mundharmonikas
Elektrische und elektronische Mundharmonikas
Begleitmundharmonikas (Akkord- und Bass-Instrumente)
Literatur- und Quellenhinweise
Welche Mundharmonika für welchen Zweck?

Ich danke den Firmen Hohner, Huang Inc. und GEWA (deutscher Distributor für Huang, Victory und Tombo-/Lee-Oskar-Produkte) für die Bereitstellung von Abbildungen. Weitere Abbildungen habe ich den Internetseiten der jeweiligen Hersteller entnommen.


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(c) 2003 Klaus Rohwer