Klaus Rohwer 



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Garantiert Mundharmonika lernen mit Michael Hirte

TitelseiteALFRED Publishing Verlags GmbH, Köln, 2009

ISBN-10: 3-933136-66-0

Euro 19,80

Gleich eine Warnung vorweg: Ob man mit einem Lehrbuch "garantiert" Mundharmonika lernt, hängt weniger vom Buch als vielmehr vom Lernenden ab. Auch dieses Buch kann natürlich das fortdauernde Interesse an der Mundharmonika und das ausdauernde Üben nicht ersetzen. Aber offenbar fühlen sich Viele durch den Erfolg Michael Hirtes animiert, selbst das Spielen der Mundharmonika zu erlernen, und da kann dieses Buch eine Hilfe sein -- auch wenn das "Supertalent" dafür sicher einen Ghostwriter gehabt hat.

Das Buch (mit CD) versucht auf nur 80 Seiten das beinahe Unmögliche: Sowohl das Spielen der diatonischen als auch der chromatischen Mundharmonika zu vermitteln, und auch noch das Notenlesen. Da der Rezensent all dies schon vorher konnte, kann er nicht recht beurteilen, ob ein Anfänger dies wirklich nur mit diesem einen Lehrbuch wird bewältigen können. Aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert!

Nach einem kurzen Überblick über die Geschichte der Mundharmonika und einer Aufzählung der bekanntesten Musikstücke wird zunächst auf die beiden wichtigsten Mundharmonikatypen eingegangen: die diatonische Mundharmonika, auch Bluesharp genannt, und die chromatische Mundharmonika, die in diesem Buch auch als "chromatische Harp" bezeichnet wird, was unter Mundharmonikaspielern eher ungebräuchlich ist (die sprechen meist kurz von "Chrom"). Dazu werden auch Tipps gegeben, welche Mundharmonika man sich anschaffen sollte, je nach dem Musikstil, den man spielen möchte. Auch auf das Thema "Pflege der Mundharmonika" wird kurz eingegangen. Die Beschreibung der Handhaltung darf natürlich nicht fehlen. Leider wird sie nur für die Bluesharp illustriert und erläutert. Zur chromatischen Mundharmonika gebe es dazu durchaus Abweichendes zu sagen, zumal man ja auch irgendwie den Schieber betätigen muss.

Ausgesprochen geschickt ist der Beginn mit dem Spielen von Akkorden. Das verschafft dem Lernenden frühe Erfolgserlebnisse, die ihn eher motivieren, auch das anschließende Spielen von Einzeltönen zu meistern. Es hätte noch erwähnt werden können, dass man Akkorde auch Harmonien nennt, zumal ja die Mundharmonika daher den zweiten Teil ihres Namens hat. Leider funktioniert das mit den Akkorden auf der chromatischen Mundharmonika nur sehr eingeschränkt -- hier ergeben eben nicht alle Kombinationen von drei nebeneinanderliegenden Kanälen brauchbare Akkorde! Ein Hinweis darauf wäre angebracht gewesen.

Dann geht es zum Einzeltonspiel, die erste und häufig größte Hürde beim Erlernen des Mundharmonikaspiels. Die beiden wichtigsten Ansatztechniken, die Lippentechnik und die Zungenblocktechnik, werden erläutert. Letztere wird im Buch neudeutsch als Tongue Blocking bezeichnet, was unter Bluesharpern durchaus üblich ist. Dahinter in Klammern steht "Zungenschlag" -- diese Bezeichnung ist nach Ansicht des Rezensenten aber irreführend. Zungenschlag heißt nicht die Ansatztechnik, sondern eine Spieltechnik, die die Beherrschung des Zungenblock-Ansatzes voraussetzt -- die aber ansonsten im Buch nicht weiter erwähnt wird.

Das Buch verwendet für die jeweils zu benutzenden Kanäle und für die Kennzeichnung, ob es sich um einen geblasenen oder gezogenen Ton handelt, eine Tabulaturschreibweise. Diese besteht aus der Kanalnummer, und zwar in Schwarz gedruckt für Blastöne und in Grau für Ziehtöne. Leider lässt sich der Unterschied nur bei guter Beleuchtung erkennen. Während andere Lehrbücher, die mit Tabulatur arbeiten, meist keine Kennzeichnung für die Tonlänge kennen, gibt es hier "Schuhe" für jeden Taktschlag. Das ist sehr praxisnah, da man häufig den Takt nebenher mit dem Fuß auf dem Boden schlägt. Besonders anschaulich wird es bei der Einführung der Achtelnoten, die durch einen Schuh dargestellt werden, der schräg nach oben zeigt.

Nach verschiedenen Übungen und einigen bekannten Musikstücken zum Mitspielen wird dann die Notenschrift eingeführt. Dies geschieht sehr kompakt, im Wesentlichen auf nur zwei Seiten, so dass der Neuling oft wird hierher zurückblättern müssen. Aber die Tabulaturschreibweise wird neben der Notenschreibweise auch weiterhin fortgeführt. Bei nahezu allen Beispielen findet sich die Tabulatur sowohl für diatonische als auch für chromatische Mundharmonika, was außerordentlich lobenswert und nach Einschätzung des Rezensenten wohl ziemlich einmalig für solch ein Lehrbuch ist.

Natürlich darf die Cross-Spielweise, das Spielen in der zweiten Position, nicht fehlen, denn dies ist eine Voraussetzung für den typischen Blues-Sound, genau wie das Bending, das Herunterbiegen der Töne. Letzteres ist natürlich verbal immer schwierig zu beschreiben, das muss man sich einfach mal anhören. Und damit kommen wir zu der dem Buch beiliegenden CD.

Um es gleich zu sagen: der Rezensent hält die CD für die größte Schwäche dieses Lehrwerkes. Am Anfang ist bei den meisten Stücken tatsächlich eine Mundharmonika zu hören, aber ausgerechnet beim Bending ist das vorbei und man bekommt allenfalls noch ein Keyboard mit Pitch-Bending-Hebel, wahrscheinlich sogar einen programmierten MIDI-Synthesizer zu hören. So lernt man das Bending auf der Mundharmonika gewiss nicht! Die echte Mundharmonika taucht dann zwar noch ab und zu mal auf, aber nie bei Stücken, die Bending erfordern.

Überhaupt werden die Stücke auf der CD sehr exakt entsprechend den Noten im Buch gespielt. Das hilft zwar, die genaue Bedeutung der Notenschrift nachzuvollziehen -- aber musikalisch ist das nicht. Außerdem nährt es den Verdacht, dass die Begleitung (bzw. das ganze Stück) mit einem strikt nach Noten programmierten MIDI-Synthesizer aufgenommen wurde. Nichts gegen MIDI-Synthesizer, sie sind ein hervorragendes Mittel zur Begleitung beim Üben! Aber dann wäre es doch besser gewesen, eine CD-ROM mit den MIDI-Dateien der Begleitung herauszugeben sowie mit einem kleinen MIDI-Abspielprogramm, bei dem man dann auch gleich die Geschwindigkeit der Widergabe einstellen und die Solostimme ein- und ausschalten kann. Musikalisch betrachtet wäre es natürlich schöner gewesen, eine echte Begleitband und vor allem immer einen echten Mundharmonikaspieler zu hören, der nicht nur eine Wiedergabe der Noten, sondern eine echte Interpretation der Stücke vermittelt.

Noch ein paar andere Dinge hätte man bei der CD besser machen können. So ist das Soloinstrument -- ob nun echte Harp oder Synthie -- zwar nur auf einem der beiden Stereokanäle vorhanden, so dass man sie zum Selberüben "wegdrehen" kann -- vorausgesetzt, man hat einen Balanceregler. Den gibt es zwar an jeder Stereoanlage, nicht aber an vielen Ghettoblastern oder MP3-Playern, die man vielleicht auch gerne zum Üben benutzen würde (zumal, wenn es im Wohnzimmer zu laut wäre). Die Alternative wären je zwei Versionen von jedem Stück gewesen. Es wäre durchaus wünschenswert, einen noch größeren Anteil der Übungsstücke auch auf der CD zu finden, damit man sich mal anhören kann, wie es denn eigentlich klingen soll. So hat sicher jeder schon mal eine Triole gehört, ohne zu wissen, dass man sie so nennt, und allein aus der Beschreibung im Buch wird sicher nicht jedem klar, was damit gemeint ist.

Viele der Übungsstücke bestehen auf der CD nur aus einer Strophe. Nach eigener Erfahrung des Rezensenten ist es praktischer, wenn man ein Stück mehrere Male hintereinander üben kann, ohne immer wieder zum Anfang zurück springen zu müssen. Auch hat nicht jedes Abspielgerät eine Repeat-Funktion, und Platz wäre auf der CD durchaus noch gewesen. Die letzten drei Stücke -- als reine "Playalongs", also ohne Solostimme, nur zum Mitspielen -- sind Originalaufnahmen der Begleitung von Michael Hirtes erster CD. Hier bricht in voller (zu hoher) Lautstärke der geballte Bombast der deutschen Popindustrie über den Hörer herein. Nun ja, manche werden es mögen...

Klaus Rohwer

Dieser Beitrag ist (redaktionell bearbeitet) in der Zeitschrift Intermusik 18. Jahrgang / Nr. 7 (Juli 2009), Seite 4, erschienen.
Liste meiner (nicht nur musikalischen) Veröffentlichungen.


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(c) 2009 Klaus Rohwer
Die Abbildung zeigt die Titelseite des Buches. Das Rezensionsexemplar wurde mir freundlicherweise vom Alfred-Verlag zur Verfügung gestellt.