Oktav-Mundharmonikas klingen schon von sich aus ähnlich wie Akkordeons.
Im Tango wird häufig ein Akkordeon eingesetzt, eigentlich sogar ein Bandoneon, eine Abart des Akkordeons. Wenn man
also Tango auf einer Mundharmonika spielen möchte, bietet es sich an, dafür eine Oktav-Mundharmonika zu verwenden.
Hinzu kommt noch, dass Tangos oft in der Tonart Harmonisch-Moll gestimmt sind. Das bedeutet, dass - bezogen auf den Grundton -
eine kleine Terz und gleichzeitig eine große Septime vorkommen. Solcherart gestimmte Mundharmonikas gibt es zwar als
Bluesharps zu kaufen, nicht aber als Oktav-Mundharmonikas (mal ganz davon abgesehen, dass diese Bluesharps nicht besonders
nach Tango klingen). Also habe ich mich entschlossen, mir eine Oktav-Tango-Mundharmonika selber zu machen.
Dazu habe ich eine alte Contessa-Mundharmonika von
Hohner in C-Dur hergenommen - heute heißt die glaube ich
Comet 40 - und ein paar
Töne umgestimmt:
- Alle E zu Eb (Es)
- Alle F zu F# (Fis)
- Alle B (H) zu Bb (B)
Das ergibt eine Oktav-Mundharmonika in G-harmonisch-Moll. Dabei ist zu
berücksichtigen, dass es ja immer zwei Stimmzungen pro Ton gibt, eine tiefe und eine hohe. So sieht dann das
neue Layout aus:
Blasen: |
Eb |
G |
C |
Eb |
G |
C |
Eb |
G |
C |
Eb |
Ziehen: |
G |
Bb |
D |
F# |
A |
Bb |
D |
F# |
A |
Bb |
Es sind insgesamt neun Töne umzustimmen, also 18 Stimmzungen zu
bearbeiten. Das Umstimmen geht so, wie ich es unter Stimmen und Lösen
beschrieben habe. Wenn man diese Mundharmonika an den Mund setzt und ein paar Läufe spielt, ist man sofort
in "Tango-Stimmung"!
Das geht natürlich nicht nur mit der Contessa oder Comet von Hohner,
sondern auch mit C-Oktav-Mundharmonikas anderer Hersteller, auch wenn die ein anderes Layout haben. Man muss nur alle
E, F und B entsprechend umstimmen. Wie gut das bei Edelstahl-Stimmzungen geht, weiß ich allerdings noch nicht,
denn das habe ich noch nicht ausprobiert. Bei Seydel kann man
zwar alle möglichen Mundharmonikas im
Harmonika-Konfigurator
selbst konfigurieren, aber bisher leider keine Oktav-Mundharmonikas.
Klangbeispiele sind - finde ich - immer von etwas begrenzter Aussagekraft,
denn man kann daraus nicht erschließen, wie leicht oder schwer sich ein Instrument spielen lässt. Dennoch gebe
ich hier ein Klangbeispiel in Form des von mir selbst komponierten Tangos
"Introspection". Dieses Stück steht
unter der Creative-Commons-Lizenz
CC-BY-NC-SA 4.0 CC+, genau wie meine anderen Eigenkompositionen, die sich zwar
nicht auf einer Tango-Mundharmonika, aber auf chromatischen und zum Teil auch auf diatonischen Mundharmonikas spielen
lassen.
Siehe auch meine Tipps zur ...
Modellauswahl- allgemein- chromatische Mundharmonikas
Verstärkung
Wartung und Pflege
Stimmen und Lösen
Modifizieren- Linksverkehr- Stimmplatten verschrauben
Diese Liste wird bei Gelegenheit erweitert!
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Zu allen hier angesprochenen Themen, einschließlich der Tango-Stimmung,
sage ich auch etwas - ausführlicher und aktualisiert - in meinem 2022 erschienenen
Mundharmonikabuch.
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